Schatzkiste
Mit unserer Schatzkiste wollen wir Leukämiepatienten Denkanstöße, Erfahrungen und Bewältigungshilfen zugänglich machen, die von ebenfalls betroffenen Menschen stammen. Jeder, der selbst erkrankt ist oder war, ist in Besitz von "Expertenwissen", d.h. er oder sie verfügt über Erfahrungen, wie die Krankheit psychisch am besten zu bewältigen ist oder welche Wege zu einem besseren Umgang führen können. Unsere Schatzkiste will dieses persönliche Wissen zusammentragen. Wir möchten deshalb Betroffene als auch ehemals Betroffene fragen:
- Was können Sie aus Ihrer Erfahrung anderen Betroffenen mit auf den Weg geben, das in schwierigen Zeiten besonders helfen und einem Halt geben kann?
- Wie sieht Ihr persönlicher Erfahrungsschatz zur psychischen Bewältigung aus?
Ihr "Wissensschatz" kann unter Umständen etwas sehr kleines, vielleicht ein Sinnspruch oder auch ein tröstender Gedanke sein. Was es auch ist, lassen Sie andere daran teilhaben, es kann eine wertvolle Hilfe sein.
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!
Bisherige Beiträge
Wie das Schicksal es auch lenkt, versuche jeden Tag zu leben um ihm einen Sinn zugeben
Frohe Gedanken und ein Lächeln im Herzen,
Genießen mit Verstand und positives Denken,
trotz aller Schwere und Dankbarkeit für alles
Gute machen jeden Tag leichter.
Liebe Grüße an alle L-Kranken.
Das Leben ist schon schwer und besonders dann, wenn man die Diagnose Leukämie eiskalt ins Gesicht gesagt bekommt (in einem anderen Krankenhaus). Dann kam ich in ein anderes Krankenhaus und wurde dort geheilt. Habe eine Transfusion von meiner HNA-identischen Schwester bekommen. Es ist schön Kinder, Familie und Freunde zu haben, die einem sehr viel Hoffnung und Mut geben. Ich bereue mein Leben nicht. Ich bin sehr stolz auf das, wie ich meine Krankheit besiege. Zwar habe ich immer noch seit 3 Jahren chronische GvHD und muss immer noch eine Maske tragen und Unmengen von Medikamenten einnehmen. Natürlich denken dann die meisten Leute sie müssten sich fern von mir halten, aber ich gucke einfach weg über solche Leute, denn sie sind unwissend, ganz klar!!! Ich liebe mein Leben und genieße es mit meinen wunderbaren 3 Kindern, die noch minderjährig sind. Ich weiß, alles ist leichter zu sagen als getan aber GEBT NIE DIE HOFFNUNG AUF. Versucht immer positiv ins Leben zu schauen und in die Zukunft. Ich bin so froh darüber, dass es so einen Verein gibt, wo man endlich seine Gefühle frei äußern kann. Es gibt einem das Gefühl, man wird gerne zugehört ohne irgendwelche Vorurteile. Ganz herzlichen Dank an die Finanzierer und tüchtigen Mitarbeiter. Schön, dass es euch gibt!!!!
Manchmal gelingt mir das nicht so, wie ich es gerne hätte.
zunächst finde ich es sehr schön hier mal Gefühle und Ängste gegenüber anderen zu äußern ohne sich dabei zu erkennen zu geben (vielen Dank an die Redaktion).
Ich habe am 23. Januar 2009 meine Diagnose bekommen. Ich hatte AML und ich weiß gar nicht mehr was ich dachte, als ich hörte, ich habe eine "systemische Bluterkrankung". Was stellt man sich darunter vor? Gut das ich meine Frau dabei hatte (Krankenschwester), sie hakte nach und dann sagte die Ärztin, dass ich Leukämie habe. Der Gedanke war eigentlich ganz einfach, jetzt ist alles zu Ende. Alles zog an mir vorbei. Ich weiß noch wie ich in der Notaufnahme war und dann auf eine Zwischenstation kam, dort hat mich ein Patient die ganze Zeit zugequatscht und ich glaube ich erlebte das in einem Zustand der Traumatisierung. Wir gingen ein paar mal eine Zigarette rauchen und ich konnte es einfach nicht fassen, was ich da für eine Diagnose bekommen hatte. Meine Frau ist ein wunderbarer Mensch, sie hat mir immer zur Seite gestanden und sie gibt mir Kraft. Zunächst hatte ich eine Chemotherapie zu bestehen, nach der man festgestellt hat, dass noch zu viele Blasten im Körper sind und ich wurde zur Transplantation gemeldet. Ich habe eine Spender bekommen, der wirklich sehr gut gepasst hat und wurde am 20.05.2009 transplantiert (mein neuer Geburtstag, den ich dieses Jahr auch mit vielen Lieben feiern werde). Ich kann jedem nur raten immer an sich zu glauben. Ich gebe zu, ohne meine Frau wäre es sehr sehr schwer geworden. Ja und auch ich war mal in meinen Gedanken soweit, dass ich dachte ich schaffe es nicht mehr.
Es gibt so viele Ärzte, so viele Krankenschwestern und so viele Pfleger, die soooo lieb sind und die einem das Gefühl geben noch gebraucht zu werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man sie besucht, nachdem man vieles überstanden hat freuen sie sich sehr. Ich habe Weihnachten mal den Weihnachtsmann gespielt und allen etwas mitgebracht. Und wenn man dann in diese Gesichter sieht, wow ein schönes Gefühl. Man merkt, nein man spürt, wie in ihnen der Gedanke raus kommt: "ich habe etwas gutes getan und ich weiss wofür ich diesen Beruf erlernt habe".
Mir hat mal eine Patient in der Uni (wo ich transplantiert worden bin) gesagt, "man kann es schaffen!" Und das war in einer Phase wo mein Immunsystem durch die Therapie völlig am Boden war. Darüber denke ich oft nach. Er hatte recht. Und auch ich konnte schon einer Patientin die Angst vor der Transplantation ein wenig nehmen. Das gibt einem viel, wenn man anderen helfen kann. Ich glaube das ist es, was sich in meinem Leben geändert hat. Ich versuche mich zu engagieren und habe auch der Jose´ Carreras-Stiftung und meiner betreuenden Station ein bisschen gespendet. So lange ich es noch kann möchte ich immer eine Unterstützung sein für Menschen, die genauso wie ich ein Leiden haben oder hatten.
Meine Gefühle sind mit Euch da draußen. Ich hoffe ich konnte ein wenig beschreiben und in Gedanken mit Euch eintauchen. Werdet oder bleibt gesund !
Was mir am meisten geholfen hat: Vertrauen in den behandelnden Professor, liebe Schwestern, die sich auch mal Zeit für ein persönl. Gespräch nahmen und Hilfe von Freunden und Familie. Fragt jeden um Hilfe, denn manchmal wissen die Angehörigen nicht so genau, wie sie mit der Situation umgehen sollen. In der Zeit der Rehabilitation, die sehr belastend war, da ich mit der großen körperlichen Schwäche schwer umgehen konnte (wie sollte ich jemals wieder voll arbeiten können, auf einen Berg steigen ?), machte ich sowohl eine Psychotherapie - kann ich nur empfehlen, denn man weiß manchmal nicht wohin mit seiner Angst- als auch Gestalt- und Körpertherapie. Das Malen in einer Gruppe hat sehr viel Spaß gemacht und mich erstaunt, da ich dachte, ich kann nicht malen. Atemtherapie und sanfte Massagen waren Inseln der Erholung und Entspannung. Ich habe mich in die Hände vieler Helfer begeben "stellt mich bitte wieder auf die Beine" und das hat funktioniert. Heute erinnert nur noch meine Perücke an die AML-Zeit (meine Haare sind leider nie wiedergekommen, was allerdings sehr selten passiert). Aber auch da hilft mir eine nette Perückenmacherin: wer es nicht weiß, sieht nicht, dass ich eine Perücke trage und ich habe gelernt, damit zu leben. Ich muss nach dem Sport nicht die Haare föhnen und kann auch morgens länger schlafen. Ich bin immer perfekt frisiert. Das ist ein kl. Trost.
Ich wünsche allen, die aktuell in Behandlung sind, dass sie Hilfe bekommen und sich getragen fühlen. Alles Gute !
Am Anfang habe ich auch versucht gegen den Krebs anzukämpfen, mußte jedoch feststellen, dass dies für mich nicht der richtige Weg war.
Mir hat eher der Gedanke geholfen, dass ich an meiner persönlichen Situation etwas verändern muß, auf dass die Gesamtsituation besser wird. Für mich war damals die Chemotherapie nie Gift sondern immer ein Medikament. Nicht immer optimal zu verkraften, jedoch hat sie mit dem Know How meiner behandelnden Ärzten mein Leben gerettet. Während der Zeit im Krankenhaus konnte ich wundervolle Erfahrungen mit Familie, Freunden, Kollegen, Schwestern und Ärzten sammeln. Ich habe die Zeit nicht in negativer Erinnerung.
Ich wünsche jeden der in eine solche Situation gerät, sehr viel Geduld und innere Kraft und viele liebe Menschen an der Seite um die Krankheit auch mal zu vergessen. (Tip: versucht doch mal miteinander ein Spiel zu spielen).
Viele liebe Grüße
Andreas J.
Manchmal fällt alles schwer mit dem Gedanken an einen Rückfall. Aber es gibt so viel positive Beispiele, muss man sich immer wieder sagen. Ich richte mich immer mit schönen Zukunftsplänen auf, in dem ich an Urlaub denke, in die Natur gehe und mich wieder auf einen ersten Restaurantbesuch irgendwann freue. Und meine liebe kleine Familie gibt mir immer wieder neue Kraft, dafür lohnt es sich zu kämpfen.
Man hat Träume und Ziele, die man erreichen will, wenn man jung ist. Und auf einmal denkt man nur noch ans Überleben.
Habe mich oft und lange mit meiner Situation auseinandergesetzt, bis ich verstanden habe, dass wir unser Leben soweit es geht, nicht von der Krankheit bestimmen lassen dürfen. Wir müssen um unser Leben kämpfen, es lieben und schätzen! Denn es ist das wertvollste, was es gibt auf der Welt!
Wünsche euch alles Gute!
Inzwischen habe ich eine Knochenmarkstransplantation hinter mir. Seit zwei Jahren hat man kein neues Rezidiv feststellen können.
Aber ich lebe immer noch im Bewusstsein, dass jeder Tag eine Kostbarkeit ist und nicht verschwendet werden soll.
Vor jeder Kontrolluntersuchung hatte ich die Hoffnung, dass die Werte diesmal besser sind - sie waren es nie!
Vor der Therapie hatte ich die Hoffnung auf Heilung oder eine lange Zeit der Remission - das Rezidiv kam schon nach einem Jahr.
Jetzt bin ich wieder in Therapie und habe die Hoffnung auf baldige Besserung und lange Zeit der Ruhe.
Mein Verstand sagte und sagt mir klar wo ich stehe und was ist, aber meine Seele(?) gibt mir Hoffnung und damit schöne Tage, und dafür bin ich dankbar.
Ich wünsche mir und allen anderen, dass die Wärme der Hoffnung und die Schönheit des Optimismus immer die Kälte der Klarheit des Verstandes besiegen werden.

